BRÜSSEL – Die EU sollte ihr fragiles Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten nicht durch viele zusätzliche Forderungen „überfrachten“, sagte Handelskommissar Maroš Šefčovič am Freitag gegenüber POLITICO.
Vor einem Besuch in Washington in der kommenden Woche betonte Šefčovič, sowohl die USA als auch die EU müssten „sich an die Vereinbarung halten“, die im vergangenen Juli im schottischen Turnberry geschlossen und im darauffolgenden Monat in einer gemeinsamen Erklärung festgehalten wurde.
„Ein Deal ist ein Deal“, sagte der slowakische Kommissar in einem Telefoninterview aus Südkorea und mahnte, die Gespräche nicht „mit allen möglichen anderen globalen Themen zu überladen“.
„Auf US-Seite besteht eine klare Präferenz, sich an die Vereinbarung zu halten, so wie wir sie getroffen haben. Und das gilt ebenso für uns“, sagte Šefčovič.
In Washington ist die Geduld über das langsame Vorgehen der EU bei der Umsetzung des Abkommens inzwischen spürbar erschöpft. Erst in dieser Woche nahm der Kommissar Gespräche mit den EU-Hauptstädten und dem Europäischen Parlament auf, um einen Kompromiss für die Umsetzung des EU-Teils der Vereinbarung zu finden. Dieser sieht vor, dass die EU sämtliche Zölle auf US-Industriegüter abschafft.
Das Europäische Parlament hat mehrere Änderungen an den beiden Rechtstexten vorgeschlagen, die eine Senkung der US-Zölle ermöglichen sollen: So wurde eine sogenannte „Sunrise-Klausel“ aufgenommen, wonach das Abkommen erst in Kraft tritt, wenn die USA ihre Zölle auf stahlhaltige Produkte senken. Außerdem wurde eine „Sunset-Klausel“ vorgeschlagen, nach der das Abkommen im März 2028 auslaufen würde.
Auf diese Bedingungen angesprochen sagte Šefčovič: „Es ist sehr schwierig, dem Ergebnis der Verhandlungen vorzugreifen. Ich wünsche mir einfach ein klares, sauberes Ergebnis.“
Er ergänzte: „Ich begrüße die Position des Rates sehr“, und verwies damit auf die Zustimmung der EU-Mitgliedstaaten zum Turnberry-Abkommen im vergangenen November – ohne zusätzliche Auflagen.
Allerdings zeigen sich im Rat inzwischen erste Risse: Frankreich nähert sich in seiner Haltung dem Europäischen Parlament an, während Deutschland sowohl die Sunrise- als auch die Sunset-Klauseln ablehnt, die von den Abgeordneten gefordert werden (POLTICO berichtete).
„Ich hatte auf ein sehr zügiges Verfahren gehofft“, sagte Šefčovič weiter. „Ich verstehe, dass die Beratungen im Europäischen Parlament mehr Zeit in Anspruch nehmen, aber ich hoffe, dass wir zu einem Ergebnis kommen, das das Turnberry-Abkommen eindeutig bekräftigt und bestätigt.“
Die Abgeordneten sahen sich zu den zusätzlichen Bedingungen veranlasst, nachdem Trump damit gedroht hatte, Grönland zu annektieren und gegen das EU-Mitglied Spanien ein Embargo zu verhängen, weil dieses sich geweigert hatte, seine Luftwaffenstützpunkte für US-Luftangriffe auf den Iran zur Verfügung zu stellen. Zudem wurde ihre Skepsis gegenüber dem Abkommen durch eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA verstärkt, der die ursprünglichen US-Zölle, auf denen das Abkommen basierte, für unzulässig erklärte.
Šefčovič widersprach dem jedoch. „Wir sollten uns auf den Kern des Themas konzentrieren und die Diskussion über diese beiden Verordnungen nicht mit anderen globalen Fragen überladen“, sagte er und betonte, dass es sich um technische Maßnahmen zur Senkung bestimmter Zollsätze handle.
Dieser Text erschien zuerst auf Englisch bei POLITICO.
Source:
www.politico.eu






